Die Geschichte des Eisenkunstgusses ist noch nicht so alt wie mancher denkt. Obwohl immer mal wieder in Filmen zu sehen, ist das Gießen von Eisen in der Form, wie wir es heute kennen, erst seit den 18. Jahrhundert möglich.
Zwar wurden seit dem Spätmittelalter größere Gegenstände aus Eisen gegossen. Um 1500 waren Kanonenrohre, Wasserrohre, reliefierte Kamin- und Ofenplatten, Haushaltsgeräte wie Töpfe, Pfannen und Waffeleisen aus Eisenguss allgemein verbreitet. Da man mit der damaligen Schmelztechnik nur Temperaturen etwas über dem Schmelzpunkt des Eisens erzeugen konnte, war das Eisen beim Gießen sehr dickflüssig und konnte deshalb nicht zu feinen Strukturen gegossen werden.
Erst 1779 wird die erste Brücke aus Gußeisen gebaut. Es ist die Brücke über den Severn bei Shrewsbury (England in der nähe von Birmingham). Denn in der Nähe von Coalbrookdale war es 1735 gelungen, in einem Hochofen größere Mengen Eisen mit Hilfe von Koks industriell zu erzeugen.
Der entscheidende Schritt zum Kunstguss wurde im Eisenhüttenwerk Lauchhammer gemacht. 1784 gelang es dort den ersten Eisenkunstguss, eine Großplastik in Gestalt einer antiken Bacchantin, herzustellen.
Von da an ging es sehr schnell. 1796 wurde die Hütte von Gleiwitz eingeweiht, 1804 die Königliche Eisengießerei Berlin. 1815 wurde dann auch in der Sayner Hütte, die zu Preußen gehörte, eine Kunstgußabteilung eingerichtet. Da die damals bekanntesten Hütten von der Berliner Hütte vertreten wurden, wurde der Kunstguss auch als "fer de Berlin" oder "Berlin iron" bezeichnet.
Zu besonderer Blühte gelangte der Eisenkunstguss während der Befreiungskriege zwischen 1813 und 1815. Aus dieser Zeit stammen die bekannten Sprüche „Gold gab ich für Eisen“ oder „Gold gab ich zur Wehr, Eisen nahm ich zur Ehr“ So ist es auch nicht verwunderlich, dass in dieser Zeit von König Friedrich Wilhelm III ein Orden ganz aus Eisen gestiftet wurde.
Das Eiserne Kreuz, dessen Entwurf vom König selbst stammt und von Karl Friedrich Schinkel endgültig ausgeführt wurde. Obwohl bis hierher noch nicht von Ilsenburg die Rede war, wurde auch dort Eisenguss und später Eisenkunstguss hergestellt. Die Ilsenburger Fürst Stolberg Hütte wurde 1530 von Graf Botho zu Stolberg Wernigerode gegründet. Schon im Jahr 1569 wurde eine Ofenplatte mit einer Szene aus dem Leben von Jacob und Josef gefertigt. Diese Platte befindet sich bis heute im Produktionsprogramm. Mit Ihren Produkten errang
die Fürst Stolberg Hütte schon früh einen guten Ruf, der sogar bis nach Rußland reichte, denn 1697 besuchte Zar Peter der Große die Ilsenburger Eisengießerei.

Älteste noch heute in Produktion befindliche Ofenplatte